Mittwoch, 27. April 2011

Fasane sind manchmal wirklich dumm

14.3. - 20.3.2011

Die Woche verläuft wieder recht langweilig. Wir arbeiten und sonst passiert nichts spannendes. Am Samstag machen wir dann nochmal einen Ausflug. Aber zuerst müssen wir die Wanderkarte suchen, die wir uns von unserem Mitbewohner ausleihen wollen. Wir finden sie aber nicht. MIST! Mh, fahren wir einfach mal los. Unterwegs fällt Nadine ein, dass ihre Arbeitskollegin Fiona mal erwähnte, eine Wanderkarte von unserem Zielgebiet zu haben. Wir wollen heute zum Glen Clova fahren. Also Fiona angerufen und erstmal nach Dundee gefahren. Eine halbe Stunde später sind wir dann bei ihr. Sie wohnt in einer wirklich tollen Wohnung, die geht über eineinhalb Etagen und man kann direkt auf den River Tay schauen. Nach der Wohnungsbesichtigung gibt's erstmal ne Runde Tee und wir erzählen viel. Beim Teetrinken verschluckt sich Nadine total. Nachdem sie sich erholt hat, packen wir die Karte ein und fahren weiter.

Nachdem wir die Autobahn verlassen haben, wird die Fahrt etwas abenteuerlicher. Die Strasse ist eng und kurvig. Und da sehen wir sie zum ersten Mal: die blöden Fasane. Leider sehen wir neben den lebendigen Exemplaren auch weniger lebendige, sprich plattgefahrene. Nach einer Weile erkennen wir auch den Grund dafür. Steht so ein Fasan mal auf der Strasse, dauert es eine Weile bis er sich von dieser wieder runter bewegt. Die Strassenverkehrsordnung kennen die wohl nicht so gut. Oder ihr Gehirn arbeitet einfach nur meeeeeeega langsam. Es scheint so, als würden sie eine endlose Disskusion mit sich selbst führen:

Weggehen? Mh ich weiß nich, was spricht dafür? Oder doch lieber stehen bleiben? Die gucken so komisch. Mh ich versuch ma einen Schritt. Ah nee, is doch nich so gut. Vielleicht wieder zwei zurück? Hallo, das is ja wohl kein Grund so rumzuhupen. Ich geh noch ma ein paar Schritte vor. Das Hupen macht einen ja ganz taub. Vielleicht geh ich doch von der Strasse runter, aber in die andere Richtung.

Das ganze dauert gefühlt 30 Minuten, in der Realität waren es wahrscheinlich zwei. Nach ein paar Unterbrechungen kommen wir dann endlich am Glen Clova an. Wir suchen den Wanderweg und starten unsere Tour auf etwa 200 Höhenmetern. Der Weg nach oben ist anstrengend. Vorallem, weil nach ein paar Metern noch recht viel Schnee liegt und das macht es nicht wirklich einfacher. Die oberste Schicht ist eigentlich gefroren, darunter ist Schnee. Jedoch gibt es ein paar Stellen, an denen die oberste Schicht angefangen hat zu tauen. Und wenn man genau da drauf tritt, dann ... gewinnt man nicht im Lotto sondern sinkt ein. Teilweise knietief. Und wenn Barthel knietief einsinkt, dann steckt Nadine bis zur Hüfte im Schnee. So wandern wir bis zum Loch Brandy hoch und holen endlich das ältere Pärchen ein, das eine ganze Weile in nicht zu großem Abstand vor uns gelaufen ist.

Mittlerweile sind wir auf etwa 600 Höhenmetern. Das Loch ist noch mit Eis bedeckt. Links von uns befinden sich zwei Berge, die könnten wir hochlaufen. Da sie allerdings mit Schnee bedeckt sind und wir nicht die richtige Ausrüstung dabei haben und auch noch zu spät losgelaufen sind, laufen wir stattdessen querfeldein. Wir sinken trotzdem regelmäßig ein. Aber dafür sehen wir einen Schneehasen. Auf dem Rückweg gibt's dann, wen wunderts, natürlich Schafe zu sehen. Wieder unten im Tal angekommen, trinken wir im Glen Clova Hotel einen Tee. Das Hotel ist sehr nett und hat außerdem die coolste, urigste Bar, die wir bis jetzt in Schottland gesehen haben. Wir beschliessen auf jeden Fall nochmal zurück zu kommen und in der Kneipe ein "Bier" zu trinken.

Wieder auf der Strasse sehen wir erneut Fasane, die immer noch nicht schlauer geworden sind. Außerdem komische kleine Hühnertiere und Kaninchen. Die sitzen allerdings neben der Strasse. Wir fahren weiter nach Aberlemno um einen piktischen Skulpturenstein anzuschauen. Die Pikten waren von den Römern so bezeichnete Stämme in Schottland. Sie verschwanden etwa 840 n. Chr. Die Skulpturensteine sind Überbleibsel ihrer Kultur, mit Schriftzeichen und Ornamenten verziert. Als wir dort ankommen, sind wir zuerst etwas iriitiert, weil wir den Stein nicht sofort sehen können. Dann fällt Nadine ein, dass sie im lonely planet irgenwas von Schutz in den Wintermonaten gelesen hat. Wir lesen nochmal nach und tatsächlich sind ist der Stein von November bis März verdeckt. Der große braune Holzklotz, den wir sehen, verdeckt also den Stein. Na supaaa!

Fahren wir also nach Hause. Am Abend bekommen wir Besuch von Bronwyn, einer Couchsurferin aus den USA. Wir haben ein leckeres gemeinsames Abendessen im "The Rule". Außerdem wird ein Rugby Spiel gezeigt, da grade der Six Nations Cup stattfindet. Nadine findet, dass Rugby ein ganz schön brutaler Sport ist.

Am Sonntag verabschieden wir Bronwyn, faulpelzen und warten auf den Muskelkater. Der kommt aber nicht. Umso besser!

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